Erbengemeinschaft

Ein Begriff der nicht ganz hält, was er zu versprechen scheint, denn eine "Gemeinschaft" im Sinne von freiwillig miteinander verbundenen Personen ist dies nicht.
Die Erbengemeinschaft entsteht, wenn mehrere Personen als Erben berufen sind. Sie entsteht also zwangsweise oder positiv ausgedrückt: kraft Gesetzes.

Jeder (Mit-)Erbe wird Eigentümer an jedem Nachlaßgegenstand. Dabei bestimmt die "Quote" zu welchem Bruchteil der Miterbe Eigentümer wird. Dies geschieht völlig unabhängig davon, was in einem etwaigen Testament steht - jeder Gegenstand gehört zunächst jedem Erben.
Beispiel: Zwei Brüder erben jeweils zu ½ nach ihrem verstorbenen Vater. Im Nachlaß befinden sich vier Manschettenknöpfe des Vaters. Jeder Bruder wurde mit dem Erbfall zunächst Eigentümer von jedem Manschettenknopf zu jeweils ½, nicht etwa Eigentümer von zwei Manschettenknöpfen - welche der vier sollten das auch sein?

Die Erben können grundsätzlich nur einstimmig über Nachlaßgegenstände verfügen, egal ob Kaffeelöffel oder Mehrfamilienhaus. Das bedeutet, daß kein Erbe über seinen Eigentumsbruchteil an einem einzelnen Gegenstandalleine verfügen darf und kann. Lediglich die Veräußerung seines gesamten Erbteils ist möglich.

Auch bei der Übertragung eines Gegenstandes auf einen Erben müssen also alle Erben mitwirken! Alle wichtigen und grundlegenden Entscheidungen können die Erben grundsätzlich nur zusammen einstimmig, also gemeinschaftlich treffen. Die Verwaltung hingegen kann durch Mehrheitsbeschluß erfolgen, Maßnahmen der Notverwaltung können notfalls sogar von einem Erben durchgeführt werden.

Wie wird die Erbengemeinschaft beendet?
Die Erbengemeinschaft ist von Beginn an auf Beendigung ausgerichtet. Gleichwohl liegen hier die erheblichen Probleme. Grundsätzlich wäre der gesamte Nachlaß zu "versilbern" und der Erlös nach Begleichung der Verbindlichkeiten entsprechend den Erbquoten zu verteilen.
Insbesondere bei Immobilien entsprechen die gesetzlichen Vorgaben selten den (wirtschaftlichen) Interessen aller Parteien. Ist keine Einigung möglich, kann jedes (!) Mitglied der Erbengemeinschaft eine Verwertung der Immobilie über die Teilungsversteigerung beantragen. Hier drohen erhebliche Wertverluste.
Schwierigkeiten bereiten testamentarische Verfügungen (Teilungsanordung, Vorausvermächtnis), lebzeitige Vorempfänge einzelner Erben (Schenkung, Ausstattung) und vieles mehr. "Patentlösungen" kann es nicht geben.
Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein sinnvolles, strategisches Vorgehen für Ihren Fall – orientiert an Ihren Wünschen und Zielen.

Rechtsanwalt Stephan Rißmann ist Co-Autor des "Praxiskommentars Erbrecht", erschienen im zerb-Verlag und hat dort die §§ 2032-2048 BGB (Erbengemeinschaft) kommentiert. Er ist Co-Autor des Buches "Fachanwalt für Erbrecht", dort das Kapitel "Die Erbengemeinschaft" sowie des "Formularbuches Erbrecht", dort "Ansprüche der Erbengemeinschaft". Außerdem ist er Herausgeber und Co-Autor des Buches "Die Erbengemeinschaft". Er referiert seit Jahren im Rahmen der Fachanwaltsaus- und weiterbildung zum Thema "Erbengemeinschaft" bundesweit vor Rechtsanwälten.
Rechtsanwältin Désirée Goertz ist Co-Autorin des Buches "Die Erbengemeinschaft" und hat dort das Kapitel der "Haftung der Erbengemeinschaft" verfaßt.